REDEN: Warum Pausen so wichtig sind

Als ich begann mich mit der Rhetorik zu beschäftigen, kam das Thema unweigerlich auf mich zu: „Pause! Halte Pause ein. Mach ne Pause!“
Wir alle kennen das mit den Pausen:
- „Mach doch mal endlich ne Pause!“
- „Du redest ohne Pause!“
- Schulpausen
- Mittagspausen
Was ist denn das überhaupt, eine Pause? Die Pause kann zum einen eine kürzere oder längere Unterbrechung einer Tätigkeit sein. Eine Pause ist dazu geschaffen um sich zu erholen. Nicht um weiter zu arbeiten. Eine Pause ist die wohlverdiente Unterbrechung z. B. während der Arbeitszeit, die mir auch tariflich zugesichert wird. Sie soll der Erholung, der Auffrischung oder Regenerierung dienen. Pausen haben ihren Sinn.
Im Falle von uns Rednern ist sie ebenfalls eine kurze Unterbrechung, ein innehalten und das kann unbeabsichtigt aber auch einstudiert sein. In einer Pause kann der Redner die volle Aufmerksamkeit (wieder) auf sich ziehen.
Bei mir hat das einige Zeit gedauert, bis ich mich mit ihr angefreundet habe. Denn Pause sind in der schnelllebigen Zeit (die heute noch schneller wie damals verläuft) ein zunächst nicht gern gesehenes Phänomen. Wer ist denn schon gerne langsam?
Es werden doch immer die bewundert, die schnell unterwegs sind. Wer Tempo drauf hat, bekommt die Chance, bewundert zu werden. Und
Dauerstress wird leider oft mit Bedeutung verwechselt.
Wer keine Pausen macht, gilt schnell als engagiert.
Wer immer erreichbar ist, als wichtig.
Wer durcharbeitet, als stark.
Doch genau hier beginnt das Missverständnis.
Pausen sind kein Stillstand.
Warum Pausen in Vorträgen so wichtig sind
Ein guter Vortrag besteht nicht nur aus Worten. Er besteht aus Raum. Und zwar ist damit gemeint, der Raum zum Verstehen, zum Fühlen und natürlich auch für innere Antworten.
Und genau hier versagen viele Redner.
Sie reden – ohne Punkt. Ohne Atem zu holen. Reden wie ein Wasserfall.
Ohne Stille.
Warum tut man so etwas? Aus Angst zu wenig zu sagen? Aus Nervosität -um mit dem dauernden Redefluss diese zu minimieren? Oder auch aus dem Irrglauben, jede Sekunde müsse gefüllt sein. Passend zum heutzutage weit verbreiteten Meinungsbild, Zeit sei Geld.
Doch das Gegenteil ist wahr.
Die stärksten Momente eines Vortrags sind oft wortlos!
Ein Satz trifft. Ein Gedanke sitzt. Und dann?
Viele reden weiter. Das genau sind die Momente wo eine Pause gesetzt werden muss. Sonst nehme ich dem Publikum die Chance, den Gedanken zu verarbeiten.
Stille ist kein keineswegs ein Loch im Vortrag. Stille ist nötig. Um verstehen zu können. Stille ist somit als Wirkverstärker zu verstehen.
Merke: Erst in der Pause entscheidet sich, ob ein Satz hängen bleibt – oder vorbeirauscht.
Pausen sind Führung
Ein Redner, der Pausen setzt, zeigt Haltung. Der beherrscht sich! Und er bringt nonverbal zum Ausdruck:
„Ich habe nichts zu beweisen.“
„Ich halte das aus.“
„Dieser Gedanke darf wirken.“
Und Pausen schaffen noch etwas so Hilfreiches: Pausen signalisieren Sicherheit. Souveränität. Innere Ruhe.
Das Publikum spürt das sofort.
Das Gehirn braucht Pausen – auch beim Zuhören
Ohne Pausen überlasten wir das Arbeitsgedächtnis. Die Aufmerksamkeit fällt ab. Und dann passiert auch noch etwas mit unseren Gedanken: Sie wandern. Jedoch in die falsche Richtung.
Mit Pausen dagegen passiert automatisch etwas Entscheidendes:
- Inhalte sortieren sich
- Emotionen setzen sich
- Bilder entstehen
Erst dann wird Information zu Bedeutung. Und zwar zu einer nachhaltigen Bedeutung. Aussagen und eigene Verknüpfungen verweben sich.
Die große Angst vor der Stille
Viele Redner fürchten die Pause mehr als den Blackout.
„Was, wenn es peinlich wird?“
„Was, wenn jemand hustet?“
„Was, wenn ich den Faden verliere?“
Doch Stille ist nur dann peinlich, wenn der Redner sich dafür entschuldigt – innerlich oder äußerlich. Nicht wenn er der „stillen Situation“ absolut Herr ist und weiß, damit umzugehen. Wer die Pause besitzt, macht sie kraftvoll.
Drei Pausen, die jeder Vortrag braucht:
- Die Denkpause
Nach einer wichtigen Aussage. Denn sie gibt dem Publikum Zeit, innerlich mitzugehen. - Die Wirkungspause
Nach einer Geschichte, einem Bild, einer Emotion. Hier arbeitet das Gefühl. Nichts schlimmer, wenn die Wirkung kurzfristig abgeschnitten wird. Das verursacht leichte Schmerzen. - Die Spannungspause
Vor einer Pointe, einer Frage, einer Wendung. Wenn dann die Pause mit dem richtigen Zeitgefühl gesetzt wird, schafft sie etwas Unwiederbringliches: Sie öffnet Aufmerksamkeit.
Diese Pausen sind kein Zufall. Sie gehören zum Handwerkszeug eines Redners und sind deren dramaturgisches Werkzeug.
Pausen machen Worte wertvoll
Pausen setzen Akzente. Sie rahmen Gedanken ein und schaffen Werte. Sie sagen: Hier lohnt es sich zuzuhören.
Ein Vortrag ohne Pausen ist wie Musik ohne Takt. Technisch möglich. Aber kaum erträglich.
Zum Schluss
Wer spricht, führt. Das ist erst einmal keine Frage. Doch: Wer Pausen setzt, führt bewusst.
Und vielleicht ist die wichtigste Fähigkeit eines Redners nicht, was er sagt – sondern wann er nichts sagt.
Denn in der Stille beginnt oft die eigentliche Wirkung.
Ich wünsche Ihnen immer wieder den Mut zur Pause!
