REDEN: ICH BIN DANN MAL REDEN (6): Gehalt und Inhalt von Reden. Warum gute Redner nicht einfach nur viel sagen!

Und wieder mal sitze ich in einem Vortrag und freue mich auf die kommende Stunde. Thema passt, Referent soll auch passen. Na dann.

Und kennen Sie das? Da steht dann jemand auf der Bühne, hält nach der Vorstellung eine Redezeit von dreißig Minuten. Die Person spricht flüssig ohne einen Versprecher, redet laut und verständlich und die Sicherheit ist auch vorhanden.

Und trotzdem verlasse ich den Raum mit einer entscheidenden Frage:

Was wollte mir diese Person in den letzten 40 Minuten eigentlich sagen?

Vor zwei Wochen war ich auf einer anderen Veranstaltung. Und ja, es stimmt: Andersherum gibt es Menschen, die sprechen nur wenige Minuten. Doch ihre Worte bleiben hängen. Sie regen zum Nachdenken an. Sie bewegen. Sie verändern. Und der Unterschied liegt selten in der Rhetorik. Der Unterschied liegt im Gehalt. Im Gehalt der Rede.

Inhalt ist nicht gleich Inhalt

Viele Menschen verwechseln Inhalt mit Information. Doch Information allein macht noch keine gute Rede. Das erinnert mich auch an manche Lehrkraft der ich in meinem Leben ausgesetzt war. Hohes Fachwissen – keine Frage. Aber der Transport zu uns Schülern war eher verhalten.

Wenn ich Ihnen erzähle, wie viele Einwohner Deutschland hat, wie hoch die aktuelle Inflationsrate ist oder wie viele Kilometer die Erde von der Sonne entfernt ist, dann liefere ich Informationen.

Aber noch keinen Mehrwert.

Der eigentliche Wert einer Rede entsteht erst dann, wenn Informationen Bedeutung bekommen. Wenn Zusammenhänge entstehen. Und wenn Menschen ohne viel Umschweife verstehen:

„Aha, das betrifft mich!“

Das Problem vieler Reden

Viele Redner fragen sich: „Was soll ich alles sagen?“ Die bessere Frage lautet:

„Was sollen die Zuhörer mitnehmen?“

Das klingt ähnlich. Ist aber ein gewaltiger Unterschied.

Der erste Ansatz richtet den Blick auf den Redner. Besser ist es, den Blick auf die Personen zu richten, die wegen mir gekommen sind. Also auf die Zuhörer.

Und genau dort beginnt gute Kommunikation.

Das Brötchen-Prinzip

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Bäcker. Sie kaufen ein Brötchen. Zu Hause stellen Sie fest: Es sieht gut aus. Es riecht gut. Aber innen ist es hohl. Da ist keine Substanz vorhanden. Und wie habe ich mich auf diesen Morgen mit einem frischen Brötchen gefreut. Keine Qualität: Schade.

Genau so wirken manche Vorträge. Da ist oft viel Verpackung. Doch wenn ich dann im Vortragssaal sitze und erwartungsvoll lausche, bekomme ich schon nach wenigen Momenten mit: „Ne ne, das ist nicht das was ich wollte!“

Gute Reden brauchen beides:

  • eine ansprechende Form
  • einen wertvollen Inhalt

Fehlt eines davon, verliert die Rede ihre Wirkung.

Was macht einen guten Redeinhalt aus?

1. Relevanz

Menschen interessieren sich zunächst einmal für sich selbst. Deshalb stellen Zuhörer unbewusst immer dieselbe Frage:

„Was habe ich davon?“

Wer diese Frage beantwortet, gewinnt Aufmerksamkeit. Wer sie ignoriert, verliert sie. Könnte als zukünftig bedeuten zu fragen: Was interessiert mein Publikum?

2. Praxisnähe

Menschen lieben Beispiele. Oder Geschichten. Meine Erfahrung dazu: In meinem Alter kann ich auf einige Höhen und Tiefen zurückblicken. Wenn ich mich da an der einen oder anderen Stelle öffne – auch emotional – merken das die Menschen. Sie wollen keine Theorie hören.

Sie wollen wissen:

  • Wie funktioniert das?
  • Was bedeutet das konkret?
  • Wie kann ich das anwenden?

Praxis schlägt Theorie fast immer.

3. Klarheit

Manche Redner glauben: Je komplizierter die Sprache, desto intelligenter wirkt man. Bedauerlicherweise habe ich das in vielen IT-Meetings so erlebt. Ein Fachausdruck schlägt den Nächsten – und das dann meist in Englisch. War ich beeindruckt? Das Gegenteil war oft der Fall. Wirkliche Experten können komplexe Dinge einfach erklären.

Albert Einstein soll sinngemäß gesagt haben: „Wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, hast du es selbst nicht verstanden.“

4. Emotion

Fakten informieren. Die gehören schon in gewisser Weise dazu. Aber diese dann zusammen verpackt mit Emotionen. Das bewegt.

Wer ausschließlich Zahlen liefert, erreicht den Kopf. Wer Geschichten erzählt, erreicht das Herz. Und Entscheidungen werden selten nur mit dem Kopf getroffen.

Die berühmte Frage nach dem „Na und?“

Ein hervorragender Test für jeden Redeinhalt lautet:

Nach jeder Aussage stellen Sie sich die Frage:

„Na und?“

Beispiel:

„Die Mitarbeiterzufriedenheit ist gesunken.“

Na und?

„Dadurch steigen Krankheitsquote und Fluktuation.“

Na und?

„Dadurch verliert das Unternehmen Wissen, Produktivität und Geld.“

Jetzt wird es interessant.

Erst wenn die Bedeutung sichtbar wird, entsteht Gehalt.

Weniger Inhalte – mehr Wirkung

Viele Redner wollen zu viel.

Zu viele Folien. Zu viele Fakten. Zu viele Beispiele. Zu viele Botschaften. Doch das menschliche Gehirn hat Grenzen. Seit vielen Jahren lebe ich nach dem Motto „Weniger ist mehr!“ Und das hilft.

Wer zehn Hauptbotschaften vermittelt, vermittelt oft keine. Wer eine zentrale Botschaft vermittelt, wird erinnert. Fragen Sie sich deshalb:

Wenn meine Zuhörer in einer Woche nur einen Gedanken behalten würden – welcher sollte das sein?

Genau darum sollte sich Ihre Rede drehen.

Der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit

Wissen beantwortet die Frage: „Was ist?“ Weisheit beantwortet die Frage: „Was bedeutet das?“ Eine gute Rede vermittelt nicht nur Wissen. Sie hilft Menschen, die Welt besser zu verstehen. Sie liefert Orientierung, zeigt dabei noch Zusammenhänge auf und eröffnet neue meist ungeahnte Perspektiven.

Der Praxistest für jede Rede

Bevor Sie Ihre nächste Rede halten, prüfen Sie Ihren Inhalt mit fünf einfachen Fragen:

  1. Warum sollte jemand mir zuhören?
  2. Welchen Nutzen hat mein Publikum?
  3. Welche konkrete Erkenntnis vermittle ich?
  4. Welches Problem löse ich?
  5. Was sollen die Zuhörer anschließend anders denken, fühlen oder tun?

Können Sie diese Fragen klar beantworten, stimmt meist auch der Gehalt Ihrer Rede.

Fazit

Menschen erinnern sich selten an jede Folie. Selten an jede Zahl. Selten an jedes Detail. Aber sie erinnern sich daran, was eine Rede in ihnen ausgelöst hat.

Deshalb geht es beim Reden nicht darum, möglichst viel zu sagen.

Es geht darum, etwas Wertvolles zu sagen. Denn die beste Rede ist nicht die längste. Nicht die lauteste. Nicht die spektakulärste.

Sondern diejenige, bei der Menschen am Ende sagen:

„Das hat mir wirklich etwas gebracht.“

 

Bildquelle: KI-generiert