LEBEN: Wie Lebensplanung gelingen kann. Schritt für Schritt statt im Sprint.

Lebensplanung. Das klingt für viele wie ein riesiger Berg. Hoch. Kalt. Unbezwingbar. Und irgendwie so weit weg – weil so groß. Und doch ganz nah, weil es sich um mein eines Leben dreht, das ich tagtäglich lebe, leben darf.

Mit diesem Gedankengut á la „Unbezwingbar“ scheitern viele – noch bevor sie überhaupt losgehen. Und lassen das Leben auf sich zukommen. Tag für Tag. Woche für Woche. Jahr für Jahr.

Das ging mir früher auch so. Bis Mitte 30 dachte ich, den gesamten Berg auf einmal erklimmen zu müssen. Allein die Vorstellung hat mich klein gemacht. Also blieb ich unten stehen. Aus Respekt wird Angst. Aus Motivation wird Aufschub. Aus einem Traum wird ein vages „Irgendwann“.

Dabei beginnt jede echte Lebensveränderung nicht am Gipfel, sondern am Fuß des Berges.

Schritt 1: Erst schauen. Nicht laufen.

Bevor Sie losgehen, bleiben Sie stehen. Schauen Sie den Berg an. Lassen Sie ihn wirken. Mit der Zeit freunden sie sich mit dem Berg an. All das kann dauern. Nehmen Sie sich die Zeit. Es gibt Leute, die an Ihnen vorbeiziehen. Die Einen kommen vom Gipfel, die anderen sind dabei aufzusteigen. Verschiedene Erfahrungen und Hoffnungen, die aufeinandertreffen. Die helfen dabei, das eigene Bild zu erstellen.

Lebensplanung heißt nicht: sofort entscheiden, sofort ändern, sofort perfekt sein. Lebensplanung heißt zuerst: wahrnehmen.

  • Wo stehe ich gerade?
  • Was fühlt sich stimmig an – und was nicht?
  • Was raubt mir Energie? Was gibt mir welche?

Dieser Moment des Betrachtens ist kein Stillstand. Er ist Orientierung. Und das war überhaupt die Hilfe, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Schritt 2: Die erste Etappe wählen – nicht den Gipfel

Der größte Denkfehler in der Lebensplanung:
„Ich muss wissen, wo ich in zehn Jahren stehen will.“

Nein. Müssen Sie nicht. Was Sie brauchen, ist die nächste Etappe. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Vielleicht ist es:

  • ein ehrliches Gespräch,
  • eine Stunde pro Woche nur für sich,
  • eine Entscheidung, die längst fällig ist,
  • oder der Mut, etwas loszulassen.

Eine Etappe. Überschaubar. Greifbar. Machbar.

Was war ich dankbar über Gespräche und Erfahrungsaustausche mit anderen Menschen, die sich über kurz oder lang dem Thema ihrer Lebensplanung gewidmet und auseinandergesetzt haben. Für mich war diese Feststellung sehr hilfreich: Bewegung entsteht nicht durch große Visionen, sondern durch kleine Schritte.

Schritt 3: Gehen verändert den Blick

Sobald Sie die erste Etappe gehen, passiert etwas Entscheidendes: Der Berg verändert sich. Nicht objektiv. Aber in Ihrer Wahrnehmung.

Was vorher bedrohlich wirkte, bekommt Konturen. Was unklar war, wird strukturierter. Was überwältigend schien, wird handhabbar.

Lebensplanung ist kein Denkprozess. Sie ist ein Bewegungsprozess.

Schritt 4: Etappen statt Druck

Wer in Etappen denkt, bleibt handlungsfähig. Der hat Zeit, auch einmal zurück zu schauen. Noch einmal zu sehen, wo komme ich her. Wer dagegen nur den Gipfel sieht, bleibt gelähmt.

Jede Etappe hat ihren eigenen Sinn:

  • Sie gibt Ihnen Feedback.
  • Sie stärkt Ihr Vertrauen.
  • Sie zeigt Ihnen, ob der Weg noch passt.

Und manchmal merken Sie unterwegs: Ich will gar nicht auf diesen Gipfel. Ich will auf einen anderen.

Auch das ist gelungene Lebensplanung. Denn Lebensplanung heißt nicht starr in Formen und Mustern zu bleiben. Lebensplanung muss wie das Leben selbst variabel und veränderbar sein.

Schritt 5: Der Berg ist nicht der Gegner

Mit der Zeit und mit jedem Meter hat sich mein Bild dem Berg gegenüber gewandelt. Ich stellte fest: Der Berg ist nicht mein Feind. Er ist mein Lehrer.

Ich durfte lernen Pausen zu machen. Es kam an bestimmten Punkten zu Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Dabei stellte ich fest: Keine Entscheidung zu treffen ist auch eine Entscheidung. Das Wort Ent-Scheidung bekam für mich eine neue Sicht und Bedeutung. Und ich lernte ein weiteres Mal, ehrlich zu sein mit mir. Über meine Ressourcen, Möglichkeiten und Planungshorizonte.

Lebensplanung gelingt nicht durch Kontrolle, sondern durch kluge Selbstführung. Durch Geduld. Durch Richtung. Durch kleine, bewusste Schritte. Und Geduld ist nicht nur eine Tugend. Seitdem ich geduldiger geworden bin, merkte ich: In der Ruhe liegt die Kraft!

Zum Schluss

Sie müssen Ihr Leben nicht heute komplett planen.
Sie müssen nur den nächsten Schritt ernst nehmen.

Schauen. Wählen. Gehen. Und dann wieder schauen.

So wird aus dem Mount Everest kein Monster –
sondern ein Weg, der mit jedem Schritt mehr Ihnen gehört.