REDEN: Marotten – kleine Gewohnheiten, große Wirkung

REDEN: Marotten – kleine Gewohnheiten, große WirkungWir alle haben sie. Diese kleinen Eigenheiten, die wir selbst kaum bemerken – die aber andere sofort sehen. Und die uns in gewisser Weise auch ausmachen- als Original – und die irgendwie evtl. auch zu uns gehören. Beispielsweise können das sein:

  • Die imaginäre Fluse vom Jackett
  • Die Hand, die immer wieder durchs Haar fährt
  • Ein Kratzen an der Nasenspitze
  • Ein räusperndes „Hüsteln“, kurz bevor es ernst wird

Harmlos? Vielleicht. Unbewusst? Sehr oft!

Und jetzt kommt der spannende Teil: Diese Marotten gibt es nicht nur im Körper. Sie sitzen auch in unserer Sprache.

Sprachliche Marotten – die heimlichen Saboteure

Während wir reden, schleichen sich Gewohnheiten ein. Wörter. Floskeln. Füllmaterial. Nicht aus Bosheit. Aus Routine. Und wie schon so oft bemerkt: Gewohnheiten haben Macht!

Sätze werden gepolstert mit:

  • „Echt?“
  • „Krass.“
  • „Irre.“
  • „Sagenhaft.“
  • „Ganz ehrlich …“
  • „Super.“

Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch. Manche dieser Marotten fand ich früher richtig cool. Und habe sie dann noch perfektioniert.

Damit nicht genug. Es gibt noch weitere im Zusammenhang mit Unsicherheit. Wenn sich diese Kollegen dann noch dazu gesellen gibt es einen ganzen Blumenstrauß für’s Publikum:

„ääähhh“,
„eigentlich“,
„sag ich jetzt mal“,
„genau“.

Das Gemeine daran: Wir hören es selbst nicht mehr. Und weil wir sie nicht mehr hören, schleifen wir sie jahrelang mit. Bis – und so habe ich es erlebt – mir ein Trainer in einem Seminar den Spiegel vors Gesicht hielt.

Warum habe ich sie nicht mehr vernommen oder bemerkt? Weil Wiederholung Gewohnheit erzeugt. Und Gewohnheit verschwindet aus unserem Bewusstsein.

Marotten sind keine Fehler – sie sind Automatismen

Eine Marotte ist kein Makel. Sie ist ein Automatismus. Ein Reflex. Ein erlerntes Muster.

Das Problem entsteht nicht durch das Wort. Sondern durch seine Wirkung. Denn jedes überflüssige Füllwort schwächt:

  • die Klarheit
  • die Autorität
  • die Präsenz

Ihre Botschaft wird weicher. Ihre Aussage verliert Spannung. Ihre Wirkung verpufft – ganz leise. Das spürt und merkt übrigens auch das Publikum!

Wie man Marotten entlarvt (und loswird)

Der erste Schritt ist unbequem. Aber wirksam. Bitten Sie Menschen Ihres Vertrauens um ehrliches Feedback. Also nicht um Lob. Sondern um verschärfte Beobachtung.

Fragen Sie konkret:

Welche Sprachmuster benutze ich?                                                       

Welche Wörter benutze ich ständig?                                                         

Welche Worte und Füllwörter benutze ich immer wieder?

Welche Gesten wiederholen sich?

Was fällt dir auf?

Lassen Sie das über einen Zeitraum beobachten. Nicht einen Tag. Investieren Sie dazu einen längeren Zeitraum, der Ergebnisse zutage fördert. Und glauben Sie mir: Sie werden staunen. Sie werden staunen wie sich ihr Sprachbild zusammensetzt und sie das in der Vergangenheit selbstverständlich angewendet haben. Dabei ist es auch möglich, das Sie womöglich erschrecken.

Und genau da beginnt Veränderung. Wenn die Dinge bewusst und beim Namen genannt werden. Denn Bewusstsein ist der Anfang jeder Kontrolle.

Persönliche Note

Mein eigenes Füllwort war lange Zeit ein deutlich hörbares „ääähhh“.Und ganz ehrlich? Mir persönlich ist das nie aufgefallen. Es stand zwischen mir und meinen Gedanken. Zwischen Aussage und Wirkung.

Dann aber: Durch konsequente Rückmeldung – und ehrliche Selbstbeobachtung – habe ich es eliminiert. Heute ist es so gut wie weg. Ich brauche es kaum noch. Und wenn es auftaucht, bemerke ich es sofort.

Das ist der Punkt: Nicht Perfektion. Sondern Bewusstheit.

Fazit

Marotten verschwinden zunächst nicht durch Willenskraft. Hilfreich ist die eigene Aufmerksamkeit. Und das Wollen!!! Wer klar sprechen will,
muss sich selbst zuhören lernen. Denn starke Redner wirken nicht zufällig.
Sie wirken bewusst. Und genau da wird Sprache plötzlich:
sexy.
präzise.
überzeugend.