REDEN: Oops – jetzt ist er weg

Diese Situation habe ich schon einige Male in meiner Seminar- und Speakerkarriere erlebt. Der Satz – er ist weg! Der Gedanke ging flöten!
Der rote Faden – auf einmal: Filmriss!!!

Eben war noch alles da – klar, kraftvoll, fließend. Ich hatte schon den nächsten Gedanken in einem tollen Satzbau zusammengefügt – dann irgendeine Ablenkung. Das Räuspern eines Teilnehmers. Ein schiefer Blick.
Und plötzlich: Leere.

Sie stehen vorne. Das Publikum schaut Sie an. Der Abend lief wie geschmiert. Gute Stimmung wie schon so oft. Gute Energie die zwischen Ihnen und dem Publikum lief – wie sagt man heute so schön: Im Flow sein. Und dann – zack. Ein Geräusch. Ein Gesicht. Ein Nebengedanke. Aus dem Konzept gerissen.

Wenn Sie perfektionistisch ticken, fühlt sich das an wie ein Absturz.
Aber nur für Sie.

Denn wissen Sie was? Und das darf uns beruhigen: Das Publikum denkt nicht: „Wie unprofessionell!“ Es denkt eher: „Ach, kenne ich.“

Den Faden zu verlieren ist kein Drama. Es ist zutiefst menschlich. Und genau das macht Sie nahbar.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Warum ist das passiert?
Sondern: Was machen Sie jetzt daraus?

Vier Wege zurück in den Fluss

  1. Die Pause – Ihr unterschätzter Verbündeter

Schweigen ist kein Versagen. Schweigen ist Wirkung. Eine bewusste Denkpause wirkt souverän. Sie verschafft Ihnen Zeit – und steigert sogar die Spannung. Oft taucht der verlorene Gedanke genau in dieser Stille wieder auf.

Und selbst wenn nicht: Das Publikum empfindet die Pause als Dramaturgie, nicht als Schwäche. Also arbeiten Sie damit!

  1. Nutzen Sie die Lücke

Eine Lücke ist Raum. Und Raum können Sie füllen. Mit einer kurzen Geschichte. „Ach was mir gerade in dem Zusammenhang dazu einfällt!“ Mit einer passenden Anekdote. Mit einem spontanen Gedanken.

Mir half manchmal auch einfach eine Frage ins Publikum zu geben.

Manchmal führt Sie dieser kleine Umweg sogar tiefer ins Thema als geplant. Und während Sie erzählen, sortiert sich im Hintergrund Ihr ursprünglicher Gedanke neu.

  1. Zusammenfassen schafft Struktur

„Lassen Sie mich kurz zusammenfassen …“

Ein einfacher Satz – große Wirkung. Sie gewinnen Zeit. Das Publikum bekommt Überblick. Und Sie knüpfen an das an, was bereits gesagt wurde.

Oft reicht dieser Schritt, damit der rote Faden wieder greifbar wird.

  1. Sagen Sie es einfach

Wenn gar nichts hilft: Seien Sie ehrlich. „Einen Moment – gerade ist mir der Gedanke entglitten.“ Mehr braucht es nicht. Kein Drama. Keine Rechtfertigung.

Sie werden erleben: Niemand reißt Ihnen den Kopf ab. Im Gegenteil. Authentizität schafft Vertrauen. Und Vertrauen wirkt stärker als Perfektion.

Der Faden kann reißen. Aber Ihre Haltung entscheidet, ob daraus ein Stolpern – oder ein souveräner Moment wird.

Reden ist kein Maschinenlauf.
Es ist Begegnung. Und Begegnung darf menschlich sein.