REDEN: Reden Sie nur über das, wovon Sie wirklich etwas verstehen

Es gibt einen Moment, den fast jeder Redner kennt. Jemand fragt an: „Können Sie darüber auch etwas sagen?“ Und plötzlich steht eine Versuchung im Raum:

Man könnte ja.
Bräuchte ja nur ein paar Bücher lesen.
Ein paar Folien sind schnell gebaut.
Und eine Stunde bekomme ich allemal gefüllt.
Doch genau hier entscheidet sich, ob ein Vortrag Substanz hat – oder nur Klang. Denn eines ist sicher: Das Publikum merkt sehr schnell, ob jemand weiß, wovon er spricht.

Kompetenz ist kein Zufall

Wenn ich mich selbst betrachte, dann sehe ich sehr klar umrissene Felder, in denen ich arbeite und spreche. Warum gerade diese?
Weil ich mich über Jahre damit beschäftigt habe. Weil ich darüber gelesen habe. Weil ich in diesen Bereichen gearbeitet habe.
Weil ich Fehler gemacht habe und daraus gelernt habe.
Mit anderen Worten:
Dort habe ich Erfahrung gesammelt. Und Erfahrung ist der Boden, auf dem Expertise wächst. Deshalb bezeichne ich mich in bestimmten Themenfeldern durchaus als Experte oder Spezialist. Manche Menschen zucken bei diesem Wort zusammen.

Experte? Klingt das nicht arrogant?

Nein. Denn es ist schlicht eine Frage von Ehrlichkeit. Wenn Sie sich über Jahre intensiv mit einem Thema beschäftigen, wenn Sie es praktisch anwenden, wenn Sie Menschen darin begleiten – dann dürfen Sie sagen:
„Hier kenne ich mich aus.“
Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. Es hat mit Selbstbewusstsein zu tun.
Die andere Seite der Bühne

Leider gibt es auch die andere Variante. Menschen, die über alles reden können – außer über Dinge, die sie wirklich verstanden haben. Viel Worte mit wenig Substanz. Man verlässt solche Vorträge oft mit einem Gefühl, das schwer zu beschreiben ist. Man war zwar da. Man hat ja auch zugehört. Aber irgendwie bleibt nichts hängen. Warum? Weil Erfahrung fehlt. Weil Tiefe fehlt. Weil gelebte Praxis fehlt.
Und ganz ehrlich:
Lebenszeit ist zu kostbar für solche Vorträge.

Finden Sie Ihre Themen
Jeder Redner braucht seine thematische Heimat. Gebiete, in denen er wirklich zu Hause ist. Gebiete, in denen er nicht nur Wissen vermittelt, sondern Erfahrung weitergibt. Bei mir sind das zum Beispiel folgende Themen:

• Rhetorik und Präsentation
• Zeitmanagement
• Zielsetzung – von der Idee bis zur Umsetzung
• Lebensplanung und sogenannte „Dreamdays“
• Arbeitssicherheit und nachhaltige Verhaltensänderung

In diesen Feldern arbeite ich. Hier habe ich erlebt, was funktioniert – und was nicht. Hier kann ich Geschichten erzählen. Hier kann ich konkrete Beispiele liefern. Hier kann ich Fragen beantworten. Und genau deshalb kann ich darüber sprechen.

Ein ehrliches „Nein“ ist manchmal die beste Entscheidung
Umgekehrt gibt es Themen, über die ich niemals einen Vortrag halten würde. Zum Beispiel über das Programmieren von Webseiten. Nicht, weil das Thema unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil – es ist hochspannend. Aber ich bin dort kein Experte. Und wissen Sie, was passieren würde, wenn jemand nach meinem Vortrag versuchen würde, meine Tipps umzusetzen? Ich sage es mit einem Augenzwinkern:
Eine Woche später wäre vermutlich das Internet gelöscht.
Und daran möchte ich nun wirklich nicht schuld sein.

Qualität ist eine Haltung
Ein guter Vortrag beginnt nicht auf der Bühne. Er beginnt mit einer inneren Entscheidung:
Rede ich über Dinge, die ich wirklich durchdrungen habe?
Oder rede ich über Dinge, die ich nur oberflächlich kenne? Der Unterschied ist enorm. Ein Redner mit echter Erfahrung spricht anders.
Er hat Geschichten parat. Beispiele, die hängenbleiben. Er hat Fehler gemacht – das ist authentisch. Er kennt die Praxis. Und genau deshalb hören Menschen zu.

Stellen Sie sich eine einfache Frage
Versetzen Sie sich einmal in die Rolle Ihres Publikums. Sie sitzen in einem Vortrag. Vielleicht haben Sie dafür Geld bezahlt. Vielleicht haben Sie dafür einen ganzen Tag investiert. Nun stellen Sie sich eine einfache Frage:
Was erwarten Sie von diesem Redner?
Wahrscheinlich wünschen Sie sich:
• Klarheit
• Praxisnähe
• ehrliche Erfahrungen
• konkrete Lösungen
• Inspiration
Kurz gesagt: Sie wollen Substanz.
Genau das erwartet auch Ihr Publikum von Ihnen.

Ein Grundsatz, der vieles klärt
Meine Frau arbeitet als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin. Sie hat jeden Tag mit Menschen zu tun, die Schmerzen haben. Menschen kommen zu ihr, weil sie Hilfe brauchen. Und sie lebt seit Jahren nach einem einfachen Grundsatz:
„Ich behandle Menschen so, wie ich selbst gerne behandelt werden möchte.“
Dieser Satz ist schlicht – und gleichzeitig tief. Denn er bedeutet:
Sorgfalt.
Aufmerksamkeit.
Ehrlichkeit.
Qualität.
Und wissen Sie was? Dieser Grundsatz funktioniert nicht nur in einer Praxis. Er funktioniert auch auf der Bühne.

Ein Gedanke zum Schluss
Vielleicht hilft uns deshalb eine einfache Frage, wenn wir über unsere Rolle als Redner nachdenken:
Wie würden wir selbst gerne einen Vortrag erleben?
Mit Tiefe.
Mit Erfahrung.
Mit echter Kompetenz.
Genau das sollten wir auch liefern. Sprechen Sie über die Themen, in denen Sie wirklich zu Hause sind. Dort entsteht Glaubwürdigkeit. Wirkung. Und noch ein ganz wesentliches Element: Dort entsteht Vertrauen. Und genau dort beginnt ein Vortrag, der Menschen wirklich etwas gibt.