ZEIT: Wer seine Zeit nicht managen kann, kann überhaupt nicht managen.

Das ist ja schon ein Satz wie ein Schlag. Er ist hart, wirkt unbequem und besitzt auch ein Quäntchen Wahrheit.
Vor über 30 Jahren habe ich diesen Satz zum ersten Mal gehört. Und mit den Jahren habe ich gelernt: Management beginnt nicht mit Strategiepapieren. Auch nicht mit großen Vision-Statements. Und schon gar nicht mit irgendwelchen teils aussagelosen PowerPoint-Folien.
Management beginnt bei mir. Mit Selbstführung. Und Selbstführung beginnt mit Zeit.
- Zeit ist das ehrlichste Führungsinstrument
Budget können verschoben werden. Zahlen kann man erklären. Ziele kann man je nachdem umformulieren.
Aber Zeit? Zeit ist kompromisslos. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt für mein Leben gewesen. Zu verinnerlichen und klar zu haben: Zeit ist endlich und sie fließt erbarmungslos ab. Kommt nicht wieder.
Jeder bekommt 24 Stunden. Der Unterschied liegt nicht im Haben. Sondern im Gestalten. Wer seine Zeit nicht im Griff hat, wird getrieben. Und wer getrieben ist, kann nicht führen. Er reagiert nur noch.
Führung bedeutet daher:
Prioritäten setzen.
Entscheidungen treffen.
Konsequenzen tragen.
Zeitmanagement ist deshalb kein Organisationswerkzeug.
Es ist ein Charaktertest.
- Wer seine Zeit nicht führt, führt auch kein Team
Ich habe viele Menschen in meinem Leben erlebt und auch kennengelernt. Dabei habe ich auch Führungskräfte erlebt. Beobachten Sie einmal Führungskräfte im Stress:
- Dauernd im E-Mail-Postfach
- Von Meeting zu Meeting hetzend
- Keine klaren Antworten
- Ständige Verschiebungen
Was passiert im Team?
Unruhe. Unklarheit. Vertrauensverlust.
Denn Zeitverhalten ist Kommunikation. Und es ist sehr interessant, WAS wir alles WIE kommunizieren. Vieles davon unbewusst.
Wenn ich zu spät komme, sage ich: „Du bist nicht wichtig.“
Wenn ich keine Prioritäten setze, sage ich: „Ich weiß selbst nicht, was entscheidend ist.“
Wenn ich ständig erreichbar bin, signalisiere ich: „Alles ist gleich dringend.“
Und genau das ist der Anfang von Chaos.
Viele verwechseln Aktivität mit Wirksamkeit. Doch wer überall mitmischt, managt nichts. Er verwaltet nur sein Getriebensein.
- Warum Zeitmanagement Führungsreife zeigt
Früher dachte ich: Zeitmanagement ist meinen Kalender zu verwalten. Zu füllen. Dann abzuhaken. Zeitmanagement ist viel mehr wie Kalendertraining. Es zeigt:
- Kann ich Wichtiges von Dringendem unterscheiden?
- Kann ich Nein sagen?
- Kann ich delegieren?
- Halte ich Druck aus, ohne hektisch zu werden?
Hier entscheidet sich Managementqualität. Wer seine Zeit nicht schützt,
kann auch die Zeit seines Teams nicht schützen. Und genau dort entstehen Überlastung, Frust und stille Kündigung.
- Praxis: Drei Ebenen echten Zeitmanagements
Ebene 1: Klarheit
Jede Woche braucht drei Kernfragen:
- Was ist diese Woche wirklich entscheidend?
- Was darf auf keinen Fall liegenbleiben?
- Was kann warten – oder delegiert werden?
Ohne diese Klarheit wird alles gleich wichtig.
Ebene 2: Struktur
Blockzeiten statt Dauerreaktion.
- Fokuszeiten ohne E-Mail
- Meetingfreie Fenster
- Feste Entscheidungszeiten
Führung braucht Denkzeit. Nachdenken. Querdenken. Überdenken. Vorausdenken. Wer keine Denkzeit hat, hat keine Richtung.
Ebene 3: Haltung
Der schwierigste Punkt. Denn Zeitmanagement heißt auch:
- Nicht jedem Impuls folgen
- Nicht jede E-Mail sofort beantworten
- Nicht jede Erwartung erfüllen
Es ist die Entscheidung: Ich lasse mich nicht fremdsteuern. Das ist Selbstdisziplin. Und Selbstdisziplin ist die Basis jeder Autorität.
- Der eigentliche Kern: Management beginnt innen
Das erleben wir doch immer wieder. Man kann Prozesse optimieren, diverse Tools einführen. Hilfreiche Software installieren.
Aber wenn die innere Ordnung fehlt, hilft kein System. Diese innere Ordnung habe ich seit ca. 2005 für mich kennengelernt. Mit sogenannten Dreamdays, Nachdenk- oder auch Oasentage genannt. Rückzugszeiten, um auf den Punkt zu kommen. Wesentlichen Fragen auf den Grund gehen. Mal zu Zweit, dann wieder allein.
Wer seine eigene Zeit nicht steuert,
- wird von Erwartungen gesteuert
- von Angst gesteuert
- von Dringlichkeit gesteuert
Und wer gesteuert wird, führt nicht.
- Die unbequeme Wahrheit
Man erkennt Führung nicht an Titeln. Sondern an Prioritäten. Schauen Sie in Ihren Kalender. Dort sehen Sie Ihre wahren Werte. Die sehen Sie nicht im Leitbild. Auch kein Organigramm offenbart Ihnen das. Und der Kalender tut das auch nicht.
Wer seine Zeit nicht managen kann, kann kein Team, kein Projekt, kein Unternehmen managen. Weil Führung immer mit Selbstführung beginnt.
Abschlussfrage
Wenn jemand Ihren Kalender analysieren würde – würde er darin Strategie erkennen? Oder Reaktion? Die Antwort entscheidet,
ob Sie managen. Oder nur beschäftigt sind.
